Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort, denn seelische Krisenzeiten mit Ängsten, Niedergestimmtheit oder körperlichen Missempfindungen gehören im Zusammenhang mit schwierigen Erfahrungen wie etwa Trennungen, Verlusten oder übermäßigen Kränkungen zum menschlichen Leben. Weil Menschen aber über seelische Selbstheilungskräfte verfügen, können solche Phasen und die sie begleitenden Gefühle von Betroffenen in Zusammenspiel mit ihrem persönlichen Umfeld oft bewältigt werden.

Manchmal reicht das aber nicht und psychische Symptome bilden sich nicht wieder zurück oder es treten Gefühlszustände auf, die die Betroffenen vorher nicht kannten.

 

Manche Leute glauben, durchhalten mache uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen.
(S. Robinson)
 

Zum Beispiel das wäre ein Grund für professionelle (Erst-)Gespräche. Dabei würde im persönlichen Kontakt abzuklären sein, ob eine (und wenn ja, welche) psychotherapeutische Behandlung notwendig und sinnvoll ist, damit sich Schwierigkeiten innerlich nicht „fest einschleifen“ (chronifizieren) oder keine Eigendynamik in Gang kommt, bei der z.B. Angehörige oder Kollegen die Symptome eventuell indirekt begünstigen (z.B. weil sie im guten Glauben, die Betroffenen vor Ängsten zu schützen oder sie schonen zu wollen, vielleicht übermäßig viele Botengänge und Besorgungen übernehmen, mittelfristig so aber das Rückzugs- und Vermeidungsverhalten des oder der Betroffenen „nähren“).

Als Entscheidungshilfe, ob es sinnvoll sein könnte zumindest ein psychotherapeutisches Erstgespräch zu führen, kann es hilfreich sein, sich folgende Fragen zu stellen:

  • So kenne ich mich nicht, ich fühle mich anders als sonst!
  • Beunruhigt mich diese Veränderung? Fällt die Veränderung auch anderen deutlich auf?
  • Gibt es eine befriedigende Erklärung für meine psychische Veränderung? Reicht diese Erklärung aus, um die Dauer und Heftigkeit der Beschwerden zu begründen?
  • Ist es schon länger als drei Monate so, dass ich unter für mich ungewöhnlichen psychischen Symtomen bzw. Gefühlszuständen leide oder zwar etwas kurzfristiger dafür aber sehr intensiv?
  • Helfen Gespräche mit Freunden nicht mehr? Habe ich eventuell kaum noch Menschen, mit denen ich wirklich über meine Probleme sprechen kann?
  • Leide ich unter körperlichen Beschwerden, die mit meiner seelischen Befindlichkeit einhergehen?
  • Kann ich meine tägliche Arbeit nur noch mit Mühe verrichten?
  • Mache ich mir immer Sorgen und/oder habe viel Angst?
  • Fühle ich mich oft aggressiv, hasserfüllt, gereizt oder bin ich sehr intolerant?
  • Ist mein Schlaf gestört, schlafe ich zu wenig oder zu viel?
  • Bin ich oft krankgeschrieben?
  • Ist mir das alles egal?
  • Habe ich Gedanken, mich selbst zu schädigen oder meinem Leben ein Ende zu setzen? Bringe ich mich - vielleicht ohne wirkliche Absicht - in risikoreiche oder gefährliche Situationen?

(vgl. auch Piontek, R.: Wegbegleiter Psychotherapie, Bonn 2002)

Weitere Informationen finden Sie bei Bedarf in der Broschüre der Bundespsychotherapeutenkammer „Wege zur Psychotherapie“ oder in den Gesundheitsinformationen des IQWIG.

Bremer Notfall-Telefonnummern finden Sie hier.